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Hannover (epd). Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) in Niedersachsen hat die Resolution des niedersächsischen Landtages zur Bedeutung der Kirchen im Land kritisiert. Anlässlich des 39. Deutschen Evangelischen Kirchentages Ende April in Hannover hatte das Parlament am Donnerstag den Beitrag der Kirchen für die demokratische Kultur hervorgehoben und die finanzielle und ideelle Unterstützung des Kirchentages durch das Land begrüßt. Aus Sicht der Humanisten ist die Resolution nicht akzeptabel, wie der Vorsitzende Guido Wiesner in einem am Montag veröffentlichten Offenen Brief schreibt. «Sie missachtet die weltanschauliche Vielfalt der Gesellschaft, bevorzugt einseitig religiöse Institutionen und widerspricht zentralen demokratischen Prinzipien.»

 

Die Kirchen repräsentierten nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung, argumentiert er. «Eine politische und finanzielle Bevorzugung kirchlicher Akteure widerspricht daher dem Grundsatz demokratischer Repräsentation.» Mit der Resolution auf Antrag von SPD, Grünen und CDU wird die Landesregierung unter anderem aufgefordert, die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer weiterhin verstärkt in den politischen Dialog um Zukunftsfragen einzubeziehen. Zum Kirchentag steht dort, er sei «eine der größten zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen in Deutschland und ein herausragendes Ereignis für Dialog, Begegnung und gesellschaftlichen Diskurs».

 

Die Humanisten sehen dagegen in der Resolution einen Verstoß gegen die weltanschauliche Neutralität des Staates: «Sie erhebt die Kirchen zu 'unverzichtbaren Pfeilern der Demokratie'.» Das sei nicht nur historisch fragwürdig, sondern angesichts vielfältiger zivilgesellschaftlicher Initiativen jenseits religiöser Institutionen demokratiegefährdend. Wiesner verweist in dem Brief auch auf die Vertrauenskrise der beiden großen Kirchen durch Missbrauchs-Skandale. Es sei auch nicht gerechtfertigt, den Kirchentag durch Steuergelder mitzufinanzieren, da es sich dabei um eine interne Veranstaltung handele.