Fundamente | Nr. 3.18
 
Newsletter der Gemeindeberatung der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
 
 
 
 
Vorwort
 

Liebe Leserinnen und Leser!
Manchmal ist es bei uns der Arbeitsstelle wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: schon wieder ein Abschied. Dieses Mal verabschiedet sich Andreas Zuch aus der Arbeit als Gemeindeberater und Organisationsentwickler und aus seinem beruflichen Leben. Er tut dies an dieser Stelle mit persönlichen Worten und Gedanken.
Etwas Neues hat bei uns Einzug gehalten: ein Wimmelbild mit einem dazugehörigen Kartensatz „Das Dorf lassen“. Dazu gibt es eine kurze Vorstellung.
Wir begeben uns auf neue Wege und sind Mitglied im FreshX-Netzwerk geworden. Tobias Haack gibt einen Einblick in unsere Gedanken dazu.
Um euch die Möglichkeit zu geben, sich ganz unkompliziert mit Gedanken zur Entwicklung von Kirche und Gesellschaft auseinanderzusetzen, haben wir diesmal auch eine Podcast-Empfehlung.
Natürlich freuen wir uns darüber, wenn ihr euch für das eine oder andere interessiert, das von Kolleg*innen aus anderen Landeskirchen oder Werken angeboten wird. Dabei freuen wir uns besonders, dass wir gemeinsam mit dem oldenburgischen Netzwerk Charge`n change auf dem Kirchentag zu finden sein werden.
Wer unseren Newsletter liest und sich besonders auf Ritschies Reste freut, den müssen wir dieses Mal leider enttäuschen. Barbara Bockentin hat es versäumt, ihn rechtzeitig vom Redaktionsschluss zu informieren. Nächstes Mal ist er wieder dabei.  Versprochen!

Viele Grüße
aus der Arbeitsstelle
 

 
 
 
Aufhören
 

Wann hast Du das letzte Mal mit etwas aufgehört? Was genau ist das gewesen, mit dem Sie aufgehört haben?
Besser ist aufhören als überfüllen, hören wir. Es geht dabei nicht nur um materielle Dinge und die Überwindung materiellen Strebens – immer mehr; es geht auch um die Reduktion der Überflutung mit Sinneseindrücken und Gedanken.
Aufhören ist: etwas beenden, aufmerken, auf etwas hören. Wenn ich etwas lasse, entsteht Raum für das, was ist und was ich dann genauer hören kann. 

 
 

Die Fastenzeit steht für diese Unterbrechung und für das Aufhören als Vorbereitung für geistliche Konzentration. 
Sattheit und Herzverfettung beschreiben vielleicht das Drama nicht nur von uns Christ*innen in diesen Tagen?! Meistens leiden wir – heute ganz besonders aufgrund der technisch-medialen Möglichkeiten – an einer Überfüllung mit Sinneseindrücken. Die lassen sich gar nicht alle verarbeiten. 
Mehr denn je brauchen wir deshalb eine Kultur des Aufhörens. 
Alle ökologischen Krisenerscheinungen z.B. lassen sich realistisch nur angehen, wenn man mit vielen Dingen aufhört. 
Es gibt eine positive Einstellung zum Aufhören in der Bibel, der weisheitlichen Tradition des Ersten Testaments: Dort ist spürbar die tiefe Einsicht und Anerkennung der Endlichkeit des eigenen Lebens. Und es gibt dort die Erkenntnis, dass ein Zusammenhang besteht, zwischen dieser Einsicht der Endlichkeit mit dem Genuss im Leben. Das ist ganz lebenspraktisch gemeint. 
Wann hören wir also auf? 
Ich versuche es gerade, mich in eine Haltung des Aufhörens einzuüben. Dass ich nach fast 40 Berufsjahren als Pastor in den Ruhestand gehe ist ein Anlass dafür. Ich höre auf und weiß noch nicht so richtig, was das für mein Leben bedeutet. Und ich tue das in einer Zeit, in der viele von uns kirchliche Erschöpfungsphänomene wahrnehmen. Die letzten Jahre war das immer deutlicher spürbar: Die Kirche schlittert auf ein mittelgradiges Burnout zu. Mehr Licht - von oben - und mehr Bewegung - von unten - empfehlen Therapeut*innen bei dieser Art der Erschöpfung. Das ist doch eine gute Idee, auch für unsere Kirche: Mehr Licht von oben wahrnehmen und zulassen, und sich mehr bewegen, bewusst Ruhepausen einlegen, Unterbrechen, Aufhören mit vielem, was Kirche über Jahre und Jahrhunderte mit sich herumschleppt. Das Innehalten als spirituelle Form des Aufhörens wiederentdecken – z.B. im Gottesdienst, im stillen Gebet, im Anzünden einer Kerze und eben in der Fastenzeit.
Von Herzen danke ich für alle Zusammenarbeit in meinen Jahren als Gemeindepastor in der Gemeinde Osternburg, als Referent für Gemeindedienste im Hause des Oberkirchenrats und schließlich als Leiter der Arbeitsstelle Gemeindeberatung unserer Kirche. 
Bleibt behütet, bleiben Sie gesegnet!
Euer Andreas Zuch

 
 
Das Dorf lassen
 

Immer wieder ist zu hören, bei Kirche müssen wir Dinge lassen – auch Liebgewonnenes. Aber wie geht das? Und was bedeutet das für die weitere kirchliche Arbeit? 
Die Gemeindeberatung des Kirchenkreises Mecklenburg-Vorpommern hat dazu das Wimmelbild „Das Dorf Lassen“ entwickelt. Mit der Landkarte und den dazugehörigen Bildkarten, die alle Ausschnitte dieses Wimmelbildes zeigen, nähern wir uns dem Wort „lassen“ in all seinen Facetten und mit unterschiedlichen beraterischen Methoden. Dem kreativen Umgang sind keine Grenzen gesetzt. 
Ab sofort stehen Wimmelbild und Kartensatz in unserer Arbeitsstelle leihweise zur Verfügung. 
Viel Freude dabei!
 

 
 
Arbeitsstelle wird Mitglied im Fresh X Netzwerk
 

Sinkende Kirchenmitgliedszahlen, weniger Personal, Geld und andere Ressourcen, immer wieder neue Herausforderungen zu bewältigen – Die Liste an Themenfelder, in denen ein Handeln notwendig ist, damit Kirche zukunftsfähig wird, ließe sich noch deutlich länger führen. Ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen Veränderungen, die noch hinzukommen. Das Besondere: All das Genannte betrifft uns nicht nur hier in Oldenburg, sondern genau so auch andere Kirchen in Deutschland (und darüber hinaus).
Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur bei uns selbst nach neuen Lösungen und Ideen zu suchen, sondern uns mit anderen Beratungsstellen, Netzwerken und Initiativen zu vernetzen. Immer auf der Suche nach neuen Impulsen, Kirche zu gestalten. Denn als Arbeitsstelle wollen wir Gemeinden, Personen und Werke dabei unterstützen sich so aufzustellen, damit sie den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen proaktiv zu begegnen können.
Aus diesem Grund freuen wir uns sehr darüber, dass wir seit diesem Jahr Mitglied im Fresh X Netzwerk sind!
Näheres zum FX_Netzwerk sowie einen Artikel zu unserer Aufnahme findest du hier: 
https://freshexpressions.de/was-braucht-die-kirche-der-zukunft/
 

 
 
Podcast Empfehlung: Empirisch inspiriert
 


Manchmal möchte man lieber hören als lesen oder sehen, daher gibt es an dieser Stelle eine Podcast Empfehlung für alle, die sich von gegenwartsrelevanten Fragen inspirieren lassen möchten und darüber hinaus Perspektiven über den Tellerrand wagen. Im Podcast „Empirisch inspiriert“ unterhält sich Dr. Kristin Torka mit Gäst*innen, die Einblicke in ihre Forschungsbereiche im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD geben. Gemeinsam mit Expert*innen aus Soziologie, Theologie und Volkswirtschaft bespricht sie in regelmäßigen Abständen Ergebnisse qualitativer und quantitativer Studien zu Themen aus Religion, Kirche und Gesellschaft.
Jede Folge dauert ca. 30 Minuten und ist somit perfekt für Autofahrten (sagt zumindest Tobias) oder zwischendurch
Hör gerne mal rein – über den Link oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen. 

Link: https://www.siekd.de/podcasts/

 
 
Fortbildungen